Warum bleiben die 3 Unterstützerinnen anonym?

In Bosnien und Herzegowina werden Solidaritätsbewegungen aus der Bevölkerung, die für und mit Menschen auf der Flucht arbeiten,  blockiert. Dies äußert sich bereits in bürokratischen Hürden, wie bei geplanten Vereinsgründungen. 

Im Una Sana Kanton im Nordwesten Bosniens ist es Privatpersonen und privaten Organisationen seit Mai 2020 verboten, Menschen auf der Flucht zu unterstützen. Gruppen, die ihre Arbeit dennoch fortsetzen, sehen sich teils mit starken Repressionen konfrontiert. Diese kommen nicht nur von staatlicher Seite. Unter dem Eindruck der Corona Krise sind auch in Bosnien rechte, nationalistische und rassistische Gruppen stärker geworden und es kommt immer häufiger zu tätlichen Angriffen gegenüber schutzsuchenden Menschen und denen, die sie unterstützen.

Für die drei Unterstützerinnen, für die wir seit Dezember Spenden sammeln, ist das ein Grund dafür, anonym bleiben zu wollen: 

„Man hat uns schwer beschimpft, wir wurden fotografiert und in verschiedenen Migrant*innen-feindlichen-Gruppen gepostet. Wir wurden für das, was wir tun, sogar angegriffen – meist verbal, aber auch körperlich. Früher haben wir auch viel Unterstützung erhalten – meist anonym, weil einige Leute Angst haben, Geflüchtete öffentlich zu unterstützen.” 

Tatsache ist, dass dies kein ausschließlich bosnisches Problem ist, sondern vor allem ein internationales. Denn die Notwendigkeit, die dazu veranlasst, humanitäre Arbeit leisten zu wollen, entsteht erst durch illegale, gewaltvolle Grenzpraktiken und Camps in unmenschlichen Zuständen. Diese liegen u. a. in der Verantwortung der Internationalen Organisation für Migration (IOM), welche von den EU finanziert wird. Die EU ist es auch, die die Verantwortung für gewaltvolle Grenzpraktiken mitträgt. Dadurch wird – ganz im Sinne ihrer inhumanen Abschottungspolitik – Menschen der Zugang zu Schutz in der EU verwehrt.

Vor dem beschriebenen Hintergrund kann es nicht überraschen, dass es Einzelpersonen oder kleineren Gruppen oft nicht nur an Netzwerken und öffentlicher Präsenz fehlt, sondern auch am Zugang zu Geld, um den täglichen Bedarf an zum Beispiel Nahrung und Kleidung abdecken zu können.

Daher ist es uns besonders wichtig, genau diese kleineren Gruppen und Einzelpersonen zu unterstützen und ihnen solidarisch zur Seite zu stehen.

Veröffentlicht am 18.01.2021

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